Das «Aua-Modell» hat aufgezeigt, wie aus frühen Kontakterfahrungen emotionale Schemata entstehen können.
Diese Schemata dienen der Abwehr unangenehmer Gefühle und werden meist unbewusst aktiviert, sobald vermeintliche Gefahr droht.
Beispiel: Ein Mitarbeiter verstummt regelmässig in der Teamsitzung, sobald der Ton spitziger und härter wird. Im Mitarbeitergespräch konfrontiert ihn seine Chefin mit dieser Beobachtung. Sie formuliert daraus ein Jahresziel, welches ihn zunächst überfordert, weil ihn noch nie jemand darauf angesprochen hat (ein «Riss» in seiner Anpassungsschicht!). Er erzählt einem guten Freund davon. Der hilflose Mitarbeiter könnte versuchen, diesen Riss selbst zu kitten. Er aber befolgt den Rat seines Freundes und sucht sich Unterstützung.
Wie im «Aua-Modell» im vorherigen Impulsbeitrag dargestellt, gibt es gute Gründe für bestimmte Erlebens- und Verhaltensweisen.
Aufgrund unangenehmer Erfahrungen in frühen Jahren passen sich Menschen irgendwann an und verlieren mehr und mehr den Bezug zu ihren eigentlichen Bedürfnissen. Sie haben buchstäblich keine Anbindung mehr an sie. Auch Abwehrstrategien sind ihnen in der Regel nicht bewusst. Wie soll es unter diesen Umständen möglich sein, ein Problem in Eigenregie zu lösen? Oft tarnen sich eigene Problemlösungsbemühungen mit dem Wunsch nach Selbstoptimierung. Im Falle unseres obigen Beispiels könnte sich der Mitarbeiter nach dem Gespräch mit seiner Chefin zum Beispiel selbst antreiben: «Ich muss mich nur mehr in Diskussionen einbringen, dann löst sich das Problem von selbst!».
Ein geschultes, resonantes Gegenüber spielt hier eine wichtige Rolle.
Eine Coach, die genau hinhört und hinschaut, kann falsche Fährten entlarven und den Fokus in die richtige Richtung – hin zum eigentlichen Bedürfnis – richten. Sie kann auf achtsame und mitfühlende Art und Weise helfen, ein damit verbundene «Aua» ins Bewusstsein zu holen und neue, korrigierende Erfahrungen ermöglichen. Im obigen Beispiel könnte der Mitarbeiter wahrnehmen, dass ihn «spitze, raue Umgangsformen» innerlich zusammenzucken lassen. Ihm wird vielleicht nach und nach bewusst, dass er solche Situationen zu vermeiden versucht, indem er darauf verzichtet sich aktiv in Diskussionen einzubringen.
Fazit: Erlebens- und Verhaltensmuster, die sich früh in Kontaktsituationen entwickelt haben, sind hyperstabil und lassen sich kaum oder gar nicht im Alleingang lösen. Es braucht ein wachsames und kontaktvolles Gegenüber, damit Abwehrstrategien und Anpassungsmuster sichtbar werden und sich verändern zu können!
Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich das wichtige Thema der Bedürfnisregulation nochmals genauer unter die Lupe nehmen.
Metatheorie der Veränderung
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Tipp
Meine Blogbeiträge kann man filtern. Wenn du «Impulse» anklickst, werden dir alle Blogbeiträge mit theoretischen Inputs serviert. Die Metatheorie ist heterarchisch aufgebaut, d.h. alle Themen sind miteinander verwoben und keines ist wichtiger als das andere.

