Der Klimawandel zeigt auch in unserem Garten seine Auswirkungen. Bereits letzten Sommer (2025) ist eine Sommergeneration Schwalbenschwänze geschlüpft. So auch diesen Juli. Das warme Wetter der letzten Wochen hat den gefrässigen Raupen behagt und sie konnten sich wohlgenährt nach kurzer Zeit verpuppen. Zwei Wochen später schlüpfen sie nun der Reihe nach – gestern drei, vorgestern und heute einer. In kühlen, regenreicheren Sommern dauert der Entwicklungsprozess vom Ei zur Raupe und zum Kokon viel länger, sodass die meisten oder alle Kokons geschlossen bleiben, und die darin eingepferchten Schmetterlinge erst im darauffolgenden Mai oder Juni schlüpfen.
Sobald sich die Schmetterlinge aus ihren Kokons herausgeschält haben, beginnen sie mit dem Aufpumpen ihrer Flügel. Das dauert – je nach Wetterlage – gut eine Stunde oder länger. Ist das Wetter frisch, windig und feucht, verharren sie mit geschlossenen Flügeln so lange an Ort und Stelle, bis die Bedingungen optimal sind um davonzufliegen. Das kann mitunter einige Tage dauern. Zu Beginn meiner Schmetterlingskarriere dachte ich, ich müsse sie so schnell wie möglich aus dem Aerarium ins Freie bekommen, damit sie Nahrung finden. Ich nahm sie auf meinen Finger und wanderte mit ihnen durch den Garten. Doch statt auf und davon zu fliegen, klammerten sie sich vehement an mich, wenn es zu windig war oder die Sonne nicht schien.
Irgendwann wurde mir bewusst, dass sie selbst genau wissen, wann es Zeit ist die Flügel auszubreiten und in die Freiheit zu fliegen. Ein untrügliches Zeichen dafür ist, wenn sie aufgeregt im Aerarium herumfliegen. Dann muss man dieses eigentlich nur noch öffnen und sie fliegen von selbst davon.
Aus systemtheoretischer Sicht braucht es auch im Coaching ein Bewusstsein für die Eigenzeit von Veränderungsprozessen. Jeder und jede Coachee verändert sich in ihrem Rhythmus und Tempo. Als Coach braucht es dafür Geduld, Vertrauen in den Prozess und Fingerspitzengefühl, wann welche Intervention Sinn macht. Wie ein Schmetterling spürt ein Coachee selbst am besten, wann es Zeit ist die Flügel zu öffnen und zu fliegen.
Die Natur macht es uns vor:
Alles Lebendige wandelt sich ständig und nichts bleibt, wie es ist. Alles fliesst - mal langsam und zart, mal schnell und wild, und auch mal zerstörerisch. Ich lade im Blog «Lebensthemen» dazu ein genauer hinzuschauen und darüber nachzudenken, was wir als Mensch und als Gesellschaft daraus lernen können.

