Aua!

Jedes Erleben und Verhalten ist aus metatheoretischer Sicht plausibel und fällt nicht einfach vom Himmel. Oft steckt ein handfestes „Aua“ dahinter.

Regen und Schnee fallen vom Himmel - Konflikte nicht

Stagnation hat eine Geschichte und es gibt gute Gründe, warum jemand in einem inneren oder äusseren Konflikt steckenbleibt und nichts daran verändert.

Das «Aua-Modell» zeigt, wie sich innere Schemata bilden, sich verfestigen und Einfluss nehmen auf das Erleben und Verhalten von Menschen.

Jeder Mensch trägt eigene Impulse und Grundbedürfnisse in sich – körperliche, geistige und seelische – letztere stehen hier im Fokus. Gemeint sind Bedürfnisse nach Nähe, Distanz, Sicherheit, Freiheit, Einzigartigkeit und Zugehörigkeit. Jedes Individuum spürt diese auf seine Art und Weise und zeigt sich damit im Aussen.

Ein Neugeborenes ist maximal darauf angewiesen, dass auf seine Bedürfnisse angemessen und zeitnah reagiert wird. Da es die Sprache noch nicht beherrscht, passiert die Interaktion mit den Bezugspersonen über andere Kanäle. Das setzt auf Seiten der Bezugspersonen ein hohes Mass an Präsenz, Zugewandtheit und Feinfühligkeit voraus, was nicht selbstverständlich ist. Bekommt ein kleines Kind wiederholt unangemessene Antworten auf seine Bedürfnisse, erlebt es schmerzhafte «Aua-Erfahrungen».

In uns Menschen sind zwei Motivationssysteme aktiv. Eines dient dem Lustgewinn («hin zu») und eines der Unlustvermeidung («weg von»). Kein Mensch möchte auf Dauer unangenehme Gefühle aushalten müssen.

Ein Beispiel: Ein Kind verspürt das Bedürfnis nach Nähe und Kontakt und streckt seine Ärmchen nach jemanden aus. Bekommt es stattdessen wiederholt spitze Kommentare («Lass mich jetzt in Ruhe») oder wird ihm die kalte Schulter gezeigt, streckt es irgendwann seine Ärmchen weniger oft oder gar nicht mehr aus.

An das ursprünglich positiv besetzte Bedürfnis nach Nähe («hin zu») klebt sich ein «Aua» («weg von»). Es kommt zu einer neuronalen Verschaltung oder bildhaft gesprochen zum Doppelschalterprinzip: Nähe ist gut und bedrohlich zugleich. Das Kind muss einen Umgang damit finden. Abwehr ist die logische Konsequenz in einer solchen Dynamik, zum Beispiel in dem es mehr und mehr in den Rückzug geht, um unangenehme Gefühle zu vermeiden. So bildet sich ein emotionales Schema rund um das Bedürfnis nach Nähe und Kontakt, das automatisch anspringt, sobald eine unangenehme Erfahrung droht. All das läuft meistens unbewusst ab.

Abwehrstrategien sind vielfältig und anstrengend. Irgendwann führen sie dazu in die Anpassung zu gehen. Je weiter Menschen in die Anpassung gehen, desto mehr entfernen sie sich von ihren ursprünglichen Grundbedürfnissen und entwickeln Ersatzbedürfnisse, wie zum Beispiel Arbeitssucht oder Statussymbole.

Aber auch die Anpassungsschicht ist nicht frei vor Störungen. Sie bekommt irgendwann Risse – zum Beispiel, wenn sich Jahre später der Partner über eine Verhaltensweise aufregt oder die Chefin mit einer Kritik einen wunden Punkt trifft.

Risse aller Art sind häufig ein Grund, eine Psychotherapeutin oder einen Coach aufzusuchen.

Metatheorie der Veränderung

Für einen detaillierten Einblick in meinen Coachingansatz empfehle ich diesen Link zur Metatheorie der Veränderung. In meinem Blog «Impulse» bereite ich verschiedene Aspekte aus der Metatheorie in kleinen, bekömmlichen Häppchen auf, verweise auf interessante Literatur und teile eigene Visualisierungen relevanter Coachingthemen.

Tipp

Meine Blogbeiträge kann man filtern. Wenn du «Impulse» anklickst, werden dir alle Blogbeiträge mit theoretischen Inputs serviert. Die Metatheorie ist heterarchisch aufgebaut, d.h. alle Themen sind miteinander verwoben und keines ist wichtiger als das andere.

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