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Ankommen in einer anderen Welt

Man muss sich nicht mit einer Spezialrakete auf den Mars schiessen lassen, um in einer anderen Welt zu landen. Es genügt, wenn man von Zürich mit dem TGV Richtung Paris fährt und in Dijon in den Regionalzug Richtung Nevers umsteigt. Etang sur Arroux heisst das Ziel bzw. Chateau Fou de Fougerette, ein paar hundert Meter ausserhalb dieses verschlafenen Dorfes.

P1010879 Vorderansicht Chateau Fougerette

Der erste Anblick ist grandios und wir Neuankömmlinge sperren den Mund staunend auf. So ein altes Schloss löst romantisch-verklärte Gefühle aus, denen man sich kaum erwehren kann. Aber richtig anzukommen in dieser anderen Welt ist dann doch noch ein spezielles Unterfangen.

Kreatives Chaos

Für mich sind Umfelder, in denen das Prinzip gelebt wird, kreativ und mit wenigen Mitteln den Herausforderungen des Alltags zu begegnen, kein Novum. Aber Fougerette ist nochmals eine andere Welt für sich. Hier leben Menschen aller Altersklassen und mit unterschiedlichen Backgrounds zusammen, hinter uralten, brüchigen Schlossmauern, und versuchen eben diese wieder zum Leben zu erwecken. Dafür sind improvisationsfreudige, unkomplizierte Geister gefragt.

P1010805 „Schiefer“

Wandgeschichten

Mir wurde ein Zimmer im 2.Stock zugewiesen, wo es keinen Strom gibt. Es trägt den Namen „Ardoise“, was soviel heisst wie „Schiefer“. Neugierig stecke ich die Nase ins Zimmer und schlucke erstmal kräftig. An den Wänden fehlt oder schält sich die verblichene Tapete und es klafft ein dunkles Loch in der Wand, vermutlich die Öffnung für ein Ofenrohr. Am hohen Fenster, durch das der Wind pfeifft, klebt ein Zettel mit der Bitte, das Fenster wegen Bruch- und Verletzungsgefahr nicht zu öffnen.

Aber dann schläft man einmal drüber und am nächsten Tag erwacht der Tatendrang. Im Dorf ist ein grosser Indoor-Flohmarkt. Ich radle dorthin und kaufe ein: Tücher, Papierschirmchen, Teekrug etc. Wieder im Schloss beginne ich das Zimmer zu verschönern. Und es macht Riesenspass! Das Loch und ein Teil der sich ablösenden Tapetenfetzen verschwinden hinter den Tüchern und das Schirmchen hängt nun hübsch von der Decke, wo ohnehin nur eine stromlose Stofflampe gehangen hat.

P1010821 bei der Ankunft

P1010823 nach der Verschönerung

Ankommen in einer anderen Welt

Mit jeder Minute, in der man hier neue Leute trifft (es treffen ständig welche ein), Kuchen bäckt, Boden fegt oder eben sein Zimmer auf Vordermann bringt, kommt man mehr und mehr an.

P1010869 Geburtstagskuchen

für das 9-jährige Schlossg`spenstli Eugenia

Mir wird klar, die kommenden zwei Monate werden freaky, unkonventionell und abwechslungsreich. Ein Stück Mars auf Erden, mit einer munteren Schar Menschen aus verschiedenen Herren Länder, die allesamt dem Charme dieser altehrwürdigen Gemäuer erlegen sind…

P1010907 Steinere Hunde überall auf dem Gelände

*** ende ***

© Text und Fotos: Barbara Sorino

Link zur Schlossseite: http://www.fougerette.wordpress.com

 

 

  1. Anonymous #

    Ich bewunder deinen Mut und Tatendrang!

    Fühle mich dir sehr verbunden und drück dich einfach mal ganz fest!

    Liebe Grüße,
    Barbara (Fulda)

    20. August 2014
  2. Elke M. Platte #

    Liebe Barbara,
    wie immer habe ich so gern deine Geschichte gelesen und wie immer war sie viel zu kurz!
    Danke dafür! Ich bin ganz gespannt, wer und was dir im Schloss noch so begegnen wird!
    Liebste Grüße aus Kassel!

    Elke

    1. September 2014

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